Gesetzesentwurf als Todesstoß kleiner Schützenvereine

27.10.2018

Salzburger Schützenvereine fürchten um Existenz. 

In der Salzburger Schützensportszene rumort es: Die Reform des Waffengesetzes sieht eine Mindest-Anzahl von 100 Mitgliedern vor. Die Salzburger Schützenvereine fürchten um ihre Existenz, die Begutachtungsfrist läuft und hat bereits heftige Stellungnahmen hervorgebracht.

Ein solches Gesetz würde mit großer Wahrscheinlichkeit den Niedergang des Zielsports im Bundesland Salzburg bedeuten, da es so gut wie keinen Verein gibt, der die Anforderungen erfüllen könnte,“ so Christine Pertele, die dem Postsportverein Salzburg mit der Sektion Schießen als Präsidentin vorsteht.

Konkret wird in der Waffengesetz-Novelle verlangt, dass Sportschützen einem Schießsportverein angehören und den Sport regelmäßig ausüben müssen. Erstmals soll es also eine eigene gesetzliche Definition geben, was ein Sportschütze und ein Schützenverein ist. Das Gesetz stellt unter anderem auf die Entsendung zu nationalen und internationalen Wettbewerben ab oder schreibt dem Verein vor, eigene nationale oder internationale Wettkämpfe zu organisieren. Für kleine Vereine, bei denen oft die Jugendarbeit im Vordergrund steht, neben der Hürde der Mindestanzahl von 100 ordentlichen Mitgliedern eine unüberwindbare Aufgabe. Zum Vergleich: Mehr als die Hälfte der Salzburger Skiclubs hat weniger als 100 Mitglieder.

Dietmar Juriga, Präsident des ASVÖ Salzburg, dessen Verband 35 Schützenvereine in Salzburg betreut und fördert, bringt es auf den Punkt: „Der Schießsport ist in Salzburg ungemein erfolgreich und hat eine große Tradition. Auch wenn der Gesetzgeber die EU-Waffenrechtsrichtlinie umsetzen muss, hat dieser auf die Bedürfnisse kleiner Schützenvereine Rücksicht zu nehmen. Alles andere käme einer Demontage dieser olympischen Sportart gleich, in der gerade Salzburg nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart Weltmeister und Top-Olympioniken hervorgebracht hat.“

„Eine Mindestanzahl von 100 Mitgliedern für einen Verein in einem Gesetz zu definieren ist völlig realitätsfremd und hat überhaupt keine Aussagekraft, wie qualitativ im Verein gearbeitet wird“, so Michael Nußbaumer, Geschäftsführer des ASVÖ Salzburg. „Wir stemmen uns mit aller Kraft gegen diesen Gesetzesentwurf. Eine Abänderung im Sinne des Sports ist unausweichlich“, so Nußbaumer weiter. „Man kann nicht in einem Atemzug Olympiamedaillen fordern, und auf der anderen Seite der Basis die Arbeit verunmöglichen.“